Vor Kurzem kündigte eine Kundin ihre private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit dem Argument, sie hätte über ihren Arbeitgeber das Angebot erhalten, diese im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung (bAV) über eine Direktversicherung kostengünstig mit abzusichern. Stellt sich also die Frage: Welche Unterschiede ergeben sich eigentlich aus einem solchen Wechsel?

Das Wichtigste in Kürze

Alle nach dem 01.01.1961 Geborenen besitzen seit 2001 grundsätzlich keinen gesetzlichen Berufsunfähigkeitsschutz mehr.

Das wiegt umso schwerer, als dass mittlerweile jeder vierte Angestellte und jeder dritte Arbeiter im Laufe des Erwerbslebens vorübergehend oder dauerhaft aus unterschiedlichen Gründen (siehe Schaubild) berufsunfähig wird.

Es ist daher durchaus sinnvoll, sich gegen dieses Risiko ausreichend und so früh wie möglich abzusichern. Doch auf dem Weg dorthin können Fehler passieren, die bei richtiger Beratung auch hätten vermieden werden können.

Der Weg zum Vertrag

Zugegeben, der Vertrag ist teuer! Und er wird mit der Zeit auch nicht billiger! Das wissen viele Versicherungsvermittler*Innen von der Konkurrenz natürlich auch, weshalb (bei gutem Kontakt zu den Arbeitgebern) gerne die Kombination der Berufsunfähigkeitsabsicherung mit der betrieblichen Altersversorgung ins Spiel gebracht wird – denn günstiger verkauft sich besser!

Hier erscheint nämlich der Zahlbeitrag des Kunden in der leistungsfreien Ansparphase auf den ersten Blick aufgrund der staatlichen Förderung der bAV sehr attraktiv zu sein – ein Beispiel:

Das Beispiel zeigt, dass 180 EUR monatlich in eine Direktversicherung fließen, der Kunde aber „nur“ 80 EUR monatlich netto zahlt. Klingt gut, hat aber auch Nachteile!

Was der Herrgott vorne gibt, nimmt er sich hinten wieder!

Eine Versicherung schließt man gemeinhin für den Leistungsfall ab. Geht man hingegen davon aus, dass sowieso nie etwas passieren würde, dann könnte man sich die Beiträge ja auch sparen. Was passiert also im Leistungsfall? Mit welchen Steuerabzügen muss der Kunde rechnen? Das hängt davon ab, auf welchem Weg die Berufsunfähigkeitsrente abgeschlossen wurde.

Macht man es ganz privat ohne Arbeitgeber (man nennt das die „3. Schicht“), dann wird die monatlich auszuzahlende Rente mit dem sogenannten Ertragsanteil versteuert.

Ein Beispiel:

Wird eine 40-Jährige berufsunfähig und hat ihre Berufsunfähigkeitsrente korrekt bis 67 versichert, dann muss sie bei einer möglichen Laufzeit von 27 Jahren nur auf 28% der Berufsunfähigkeitsrente Steuern zahlen.

Je später die Berufsunfähigkeit eintritt, desto geringer fällt der zu versteuernde Anteil aus. Von einer Berufsunfähigkeitsrente von 2.000 EUR p.M. wären in diesem Fall also nur 560 EUR mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Davon wird jedoch noch der Grundfreibetrag von 764 EUR abgezogen, so dass auf diese private Berufsunfähigkeitsrente Steuern nicht zu zahlen sind – sie ist steuerfrei!

Und was passiert, wenn dieselbe Kundin die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht privat, sondern im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung (man spricht von der so. „2. Schicht“) abgeschlossen hätte?

Nun, die daraus gezahlten Renten unterliegen der vollen Besteuerung mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz. Für das o.g. Beispiel ergibt sich daraus ein Steuerabzug in Höhe von

179 EUR pro Monat bzw. 2.148 EUR p.a.

Geld, das der Kundin monatlich fehlen wird – und dabei bleibt es unter Umständen nicht. Zusätzlich zu der steuerlichen Betrachtung kann es auch zu gravierenden Unterschieden bei der Kranken- und Pflegeversicherung kommen.

Die Krankenkasse

Von Rentenzahlungen aus privat abgeschlossenen Berufsunfähigkeitsverträgen der 3. Schicht werden grundsätzlich keine gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in Abzug gebracht (ACHTUNG: Die Krankenkasse führt aber ein neues Statusfeststellungsverfahren durch).

Bei Verträgen der 2. Schicht sieht das allerdings anders aus. Hier gilt eine generelle Beitragspflicht, sodass Renten aus einer betrieblichen Berufsunfähigkeitsabsicherung immer um den vollen gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag gekürzt werden müssen.

In unserem Beispiel kommen also bei monatlich 2.000 EUR betrieblicher Berufsunfähigkeitsrente je nach Krankenkasse nochmal mind. 346 EUR monatlich in Abzug. Bei einer angenommenen Rentenbezugsdauer aus unserem Beispiel von 27 Jahren summieren sich die Abzüge für Steuern (179 EUR) und Sozialversicherung (346 EUR) auf

-170.000 EUR.

Diese Abzüge hätte die Kundin sich u.U. sparen können, wenn sie nicht gekündigt, sondern ihren privaten Vertrag weitergeführt hätte.

Weitere Nachteile?

Aus unserer Sicht sogar erhebliche!

Unsere Kundin muss bedenken, dass der Vertrag im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung aus ihrem Bruttogehalt gezahlt wird. Was passiert aber bei einer langanhaltenden Erkrankung? Dann endet die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nach 6 Wochen und damit auch die Beitragszahlung in die Berufsunfähigkeitsabsicherung. Die Folge: Der Versicherungsschutz ist entweder ganz oder teilweise nicht mehr vorhanden.

 

Auch ein Arbeitgeberwechsel kann durchaus problematisch sein, denn ein neuer Arbeitgeber muss den bestehenden Vertrag nicht zwingend übernehmen. Die Folge: Das neue Eintrittsalter und eine neue Gesundheitsprüfung machen einen Folgevertrag beim neuen Arbeitgeber entweder teurer oder sogar unmöglich.

 

Zusätzlich kann es durchaus problematisch sein, dass bei einer betrieblichen Absicherung der Arbeitgeber als Inhaber des Vertrages (die Kundin ist ja „nur“ versicherte Person) im Leistungsfall oft alle gesundheitlichen Details der Kundin erfährt – wer will das schon?

 

Fazit

Es kann gute Gründe geben, das Risiko der Berufsunfähigkeit im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung abzusichern (zB. Eine vereinfachte Gesundheitsprüfung). In der Regel wiegen die Nachteile aber schwer und es soll gut überlegt sein, ob man der Verlockung vermeintlich günstiger Beiträge tatsächlich nachgibt.

Sprechen Sie uns an!

 

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